PSYCHOANALYSE


Was ist die Psychoanalyse? Was kann was will die Psychoanalyse? Was wollen Sie, was können Sie von der Psychoanalyse erwarten!?

Am Anfang steht zumeist Ihre Frage, Ihr Wunsch nach Orientierung, vielleicht sogar die Frage nach dem Wesen. Ihrer Persönlichkeit. Aber auch nach den Verfehlungen der vergangenen Jahre, vielleicht der verpassten Chancen. Zu lange gezögert, vielleicht. 

Die Zeit in der wir leben, ist nicht unbedingt die Zeit der Psychoanalyse.

So die Meinung derer, die den Aufwand für zu unverhältnismässig halten: zu aufwändig, zu langwierig, zu teuer: die Psychoanalyse. Damit verbunden stellt sich sogleich die Frage, wer für die Kosten aufkommt, suchen doch die - so genannten - "anerkannten Psychotherapieverfahren" (Analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie und Verhaltenstherapie) in ihrer Orientierung am Krankheitsbegriff der Psychotherapierichtlinien eine Definition der seelischen Krankheit und suchen nach Kräften, seelische Leiden zu minimieren:

"Seelische Krankheit wird als krankhafte Störung der Wahrnehmung, der Erlebnisverarbeitung, der sozialen Beziehungen und der Körperfunktionen verstanden. Der Charakter dieser Störungen kommt wesentlich darin zum Ausdruck, dass sie der willentlichen Steuerung durch den Patienten nicht mehr oder nur zum Teil zugänglich sind."

(Faber/Haarstrick. Kommentar Psychotherapierichtlinien, S.16. 1999 Urban & Fischerverlag, München)

Und dennoch will die Psychoanalyse wissen, sie ist dadurch etwas radikal anderes und dadurch deutlich zu unterscheiden von anderen Diskursen, die sich mit der menschlichen Psyche befassen.

Es geht also deutlich weiter: man kann wohl sagen,

"dass die Psychoanalyse genau dort entsteht, wo anstelle der "Therapie", die ein Symptom beseitigen und einen mehr oder weniger vorher existierenden Zustand des Wohlbefindens wieder herstellen will, sich "Veränderung" einstellt und besonders "Bewusstsein". (aus dem "Manifest für die Verteidigung der Psychoanalyse" von Alessandra Guerra; aus dem italienischen übersetzt von Claus Dieter Rath, Berlin)

Und noch einmal ein Auszug aus den Psychotherapierichtlinien, der deutlich zu machen sucht, wo die Grenzen der Zuständigkeit der von der Versichertengemeinschaft getragenen psychosozialen Versorgung liegen:

Die Zielvorstellungen des Therapeuten wie die des Patienten sind an der Heilung oder Linderung von seelischer Krankheit orientiert, nicht an einer "die gesamten Lebensverhältnisse umfassenden psychosozialen Versorgung". Zielvorstellungen, die eine Entfaltung und Konstituierung der Persönlichkeit anstreben, liegen außerhalb der vertragsärztlichen Krankenbehandlung; sie können nur dann eine Therapie im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung rechtfertigen wenn der Nachweis des Ätiologiezusammenhangs einer Persönlichkeitsstörung mit seelischer Krankheit erbracht werden kann."
(Faber/Haarstrick S. 17)

Die hieraus abgeleitete Begrenzung des Leistungsumfanges auf 160 - im besonderen Fall 240 Sitzungen - machen die Begrenzung auf eine Höchstgrenze "im Regelfall von 300 Sitzungen" erforderlich.

Die Diktion, wann ein psychotherapeutischer Prozess zu beenden ist, kann hier nicht in aller Breite einer kritischen Analyse unterzogen werden.
Für die weiterführende Auseinandersetzung mit diesen Fragen soll hier auf den Aufsatz von Sigmund Freud "Die endliche und die unendliche Analyse" (1937) und "Die Frage der Laienanalyse" (1926) verwiesen werden.

Wieder aufgegriffen und weitergeführt werden soll dafür die Frage nach der Autorisierung des Psychoanalytikers - mithin die Frage - durch welche Reglementierungen, Unterwerfungen oder Kontrollinstanzen soll/darf die Psychoanalyse und damit die in der Lehre sich befindlichen PsychoanalytikerInnen in ihrer erkenntnisförderlichen Schaffenskraft begrenzt oder gar behindert werden!? Auch die Frage nach dem Zugang zur Analyse und wer diese in seiner Praxis und Verantwortung ausführen darf – von Freud in seinem oben genannten Aufsatz "Die Frage der Laienanalyse" in dem fiktiven Dialog eines Laien und ihm selbst ausdiskutiert - gehört in diesem Kontext hinein und bedarf der kritischen Diskussion.

Schliesslich geht es um die Frage der Ausbildung in Psychoanalyse – zunächst einmal in Deutschland - aber auch in den benachbarten europäischen Ländern.

"In anderen Worten: was passierte, wenn allgemein und aus irgendeinem Grund das Psychoanalytikerwerden von dem vorangehenden Psychologe- oder Arztwerden abhängig gemacht würde? Was passierte, wenn um eine Lehranalyse zu machen – Grundlage der Psychoanalytikerausbildung – man vorher oder gleichzeitig ein Diplom in Psychologie oder Medizin erwerben müsste? Kein Zweifel: die Psychoanalyse würde letztendlich ihr fremden Disziplinen unterworfen und mit der Zeit würde sie zu einem ihrer "Bereiche" oder zu einer ihrer "Spezialisierungen", was ihr Ende bedeutete." (A. Guerra)

Somit ist die Verantwortung für den analytischen Prozess zunächst in die Hand des Einzelnen zu legen, der sich selbstverständlich ständig daran messen lassen soll, ob sein Handeln in der analytischen Position für sich und den anderen durch hinreichende Klarheit über das Geschehen an und in dem Übertragungsgeschehen begründet werden kann, um nicht in den Bereich der Suggestion, der Verführung, auch nicht der Heilung zu rutschen.

All dies Gesagte ist und wird nur möglich sein mit einer freien Psychoanalyse, die nicht irgend einer anderen Disziplin unterstellt ist.

Machen wir uns also an die Arbeit: die Verteidigung der Psychoanalyse und ihres Erkenntnisideals: um nichts anderes geht es in dem Vorhaben, den Blick unverstellt zu belassen, frei von jeglichen manipulativen und normativen Vorgaben, die den Zugang des Einzelnen durch einen völlig intransparenten und lediglich auf Status- und Besitzstandswahrung - d.h. der Aufklärung zuwider laufenden Grundhaltung - konzentrierten Zugangsweg zu verstellen.

Durch eine Rückkehr zur Freud – das ist die tradierte Bezeichnung der Kehrt- oder Rückwende in Richtung der originären freudschen Psychoanalyse - soll den tragischen Folgen des Vergessens in der Klinik aber auch in der Überlieferung, der Geschichte - nicht nur der Psychoanalyse - entgegen gearbeitet werden und es gilt, die Auswirkungen dieses Vergessens zu bedenken um schließlich zum Sinn der freudschen Entdeckung zurückzukommen: diese ist zunächst das Unbewusste.
Das, was zur Sprache kommt. In den Worten den Sätzen, den Leerstellen: es kommt darauf an, dass wir uns dem zuwenden, was da gesprochen werden will, dass wir ein offenes Ohr zumindest zur Verfügung stellen: am besten noch zwei davon.

Durch meine Orientierung an der Psychoanalyse Jacques Lacans will ich den Versuch wagen,  durch den Rückbezug auf Freud und seine Theorie des Unbewussten Ihnen dabei behilflich zu sein, selber eine Antwort auf Ihre Fragen zu finden. Denn - wie heißt es in der buddhistischen Tradition - es ist nicht die Aufgabe des Lehrers, eine Antwort zu finden auf die Fragen seiner Schüler.

Hierüber soll es gehen in der Psychoanalyse.

Sind Sie aufmerksam geworden auf das, was Sie mit der Psychoanalyse anfangen können, was Ihnen die Psychoanalyse "bringen" kann, dann geht dies über die kassenfinanzierte psychotherapeutische Leistung zumeist hinaus und zählt immer häufiger nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen wie auch der privaten Krankenversicherungen.

Sprechen Sie.

Mich an..


Zum weiterlesen hier nur eine kleine Literaturauswahl:

  • Sigmund Freud. Schriften zur Behandlungstechnik. Studienausgabe Ergänzungsband Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 1975

Rückkehr zur Freud. Jaques Lacan Ent-Stellungen der Psychoanalyse. Passagen Verlag

Psychoanalysieren. von Serge Leclaire u. Norbert Haas. Turin + Kant 1999

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