Einzel- und Gruppentherapie


Die am weitesten verbreitete Konstellation des psychotherapeutischen Behandlungssettings  ist das 2-Personensetting, in der sich Therapeut und Patient/Klient gegenübersitzen.

Die so genannte Normalkonstellation der psychologischen Einzeltherapien, in der Therapeut und Ratsuchender sich allein unterhalten, stellt nicht für jede Fragestellung die richtige Konstellation dar.

Ein sehr verbreiteter Wunsch, sein therapeutisches Gegenüber ganz für sich alleine zu haben, ist ein häufig vorgetragener Wunsch von Menschen, die auf der Suche nach Veränderung die ungeteilte Aufmerksamkeit des anderen suchen. Gleichwohl gibt es Fragestellungen beziehungsweise Konstellationen, in denen sich die aktuelle Problematik, wegen der Psychotherapie nachgesucht wird, weitaus anschaulicher in einer Mehr-Personen-Konstellation abbildet und dort auch bearbeiten lässt.

Es sind die zahlreichen Konflikte, die sich häufig das erste Mal innerhalb der Elternfamilie, später im Kontext von Vereinen, im weiteren Entwicklungsverlauf in den Betrieben, vielleicht im Studium und schließlich wieder in der eigenen Familie abzeichnen, die sich immer und immer wieder herstellen, wo sich die Beteiligten konstruktivere Strategien zur Lösung erhoffen.

Durch die Selbsterfahrung in der Gruppe durchlaufen Sie einen Prozess, in dem die eigenen Bedürfnisse womöglich in einen Konflikt zu den Vorstellungen der Gruppe geraten. Sie haben dieses Mal die Chance, einen konstruktiveren Umgang mit den widerstreitenden Interessen im Sinne einer optimalen Lösung zu erreichen. Die anderen GruppenteilnehmerInnen haben zumeist ähnliche Veränderungsabsichten und geben Ihnen zeitnah Rückmeldung, berichten von eigenen Erfahrungen und machen Mut für die eigene Veränderung.

Hierdurch unterscheiden sich therapeutische Gruppen in der Regel von problembelasteten oder festgefahrenen Gruppensituationen, in denen für Sie kein Entwicklungsspielraum mehr erkennbar oder wo eine Bereitschaft, sich mit diesen widerstreitenden Positionen zu konfrontieren, oftmals gar nicht vorhanden ist.

Wenn man aber überlegt, wie häufig sich gerade in Mehr-Personen-Beziehungen Konflikte ergeben, die in ihrer Ausprägung und Entwicklung ganz maßgeblich dadurch beeinflusst werden, wie die einzelnen TeilnehmerInnen der Gruppe sich in der jeweiligen Gruppensituation positionieren - aktiv, vielleicht auch ungeduldig versus passiv-abwartend, bestimmend versus sich unterordnend und so weiter, dann wird vielleicht deutlich, wie groß das Entwicklungspotential ist, das sich in einer gruppentherapeutischen Selbsterfahrung bietet. Den Mut, sich diesen Prozessen auszusetzen, den sollten sie mitbringen. Im Vorfeld Ihrer Teilnahme an einer Selbsterfahrungsgruppe besteht jedenfalls hinreichend Gelegenheit, sich mit den verschiedenen Aspekten der Gruppentherapie auseinanderzusetzen.
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